Fe-8 und Fe-9 – Vom Lastenheft zu Ausstattungsdetails: wie bei CONTOURA Fahrräder entstehen

Die Schwestermodelle Fe-8 und Fe-9 sind seit 2023 neu im Programm von CONTOURA. Sie teilen sich den gleichen Stahlrahmen und unterscheiden sich in der Wahl der Schaltung: das Fe-8 ist für hochwertige Alfine Nabenschaltungen mit wahlweise 8 und 11 Gängen ausgelegt, das Fe-9 für die Shimano Kettenschaltungen Deore oder Deore XT mit hoher Bandbreite. Das Trekkingrad-Magazin MyBike beschrieb das Fe-9 als ein „sehr ausgereiftes, modernes Stahlrad mit vielen Attributen auch teurerer Reiseräder“ und traute ihm auch das große Reisegepäck zu.

Wie das Fe-8 und das Fe-9 zu ihren Eigenschaften und Attributen kamen, zeigt dieser Artikel. Und dazu, wie bei CONTOURA überhaupt neue Räder im Team gedacht, entwickelt und auf den Weg gebracht werden – und womit man überhaupt anfangen muss, wenn man ein Fahrrad konzipiert.

Das Lastenheft

Wenn man ein Fahrradmodell weiterentwickeln möchte, nimmt man gute Eigenschaften mit und lässt das Feedback aus dem Fachhandel und von Fahrerinnen und Fahrern mit einfließen. Das neue Fe-8 und Fe-9 sollten eine Weiterentwicklung des Modells „Brandmeister“ werden, das wegen seines Rahmenkonzepts und der vielen Einsatzmöglichkeiten viel und oft gelobt wurde. Dass das „Fe-8 new“, so der Arbeitstitel, einen Stahlrahmen erhalten sollte, war damit klar. Dann ging es an die weiteren Fragen, die im Lastenheft festgehalten werden:

  • Was möchten wir verbessern?
  • Was soll das Fahrrad alles können?
  • Für wen sollte es ein passendes Fahrrad sein?

Diese Fragen werden im CONTOURA Team praktisch gleichzeitig auf einem Niveau besprochen, weil sich jede Entscheidung auf alle weiteren Fragen auswirkt.

Die wichtigsten Entscheidungen

Wenn man über ein neues Fahrrad nachdenkt, gibt es einige technische Voraussetzungen, die man zuerst klären muss. Ganz wichtig für alle weiteren Schritte ist die Frage, welche Reifenbreite und welche Laufradgröße das Rad haben soll. Aus technischer Sicht brauchen die Entwickler diese Entscheidungen, um alles andere darum herum bauen zu können.

Beim Einsatzgebiet waren sie zunächst von einem urbanen Einsatz ausgegangen, und für den Einsatz in der Stadt bieten sich breite Reifen an: mit guter Haftung, mit denen man nicht in Straßenbahnschienen hängenbleibt und mit gutem Durchschlagschutz. Breite Reifen sind in der Stadt sehr sinnvoll.

Mit der Reifenbreite wird der Charakter eines Rads schon zu einem guten Teil festgelegt. Räder mit breiten Reifen sind in der Regel eher weniger sportlich und dynamisch. Wenn man aber ein tendenziell agiles Fahrrad mit dicker Bereifung – immerhin 55 mm – bauen möchte, dann muss man auf 27,5‘‘ Laufräder gehen.

Da man mit jeder technischen Festlegung die Möglichkeiten einschränkt, muss man besonders am Anfang sehr genau sein. Die Kollegen können deswegen auch mal einen halben Tag darüber sprechen, ob ein Rad eher eine Feder- oder Starrgabel braucht.

Aufgrund des schön-direkten Lenkverhaltens und der guten Dämpfung durch die 55 mm breiten Reifen fiel die Entscheidung auf die bewährte CONTOURA Exxtralight-Gabel.

Schaltungen und Ausfallenden

Die Wahl von Schaltung und Antrieb spielt für die Ausrichtung ebenfalls eine große Rolle. Technisch denken die Entwickler da im Hinterkopf gleich mit, was für ein Ausfallende notwendig ist.

Da das Fe-10 ein sehr schönes, vielseitiges und teilbares Ausfallende mit Slidern hat, konnten auch am Fe-8 Nabenschaltungen mit Riemenantrieb sowie am Fe-9 Kettenschaltungen einfach weitergedacht werden – und so entwickelte sich das Einsatzgebiet der Modelle wieder in die Breite.

Rahmengeometrie und Wandstärken

Durch die Schweißtechnik, mit der CONTOURA die Rahmen fertigen lässt, lässt sich bei jeder Rahmengröße die Geometrie anpassen. Das ist wichtig, um die so oft gelobten Fahreigenschaften zu erreichen.

Nur als Beispiel: Ein wesentlicher Unterschied von Rahmengröße 49 und 52 cm ist der Sitzrohrwinkel. Bei Fahrern von 49-cm-Rahmen ist der Oberschenkelknochen entsprechend kurz, woran das horizontale Maß von Sitzposition zu Pedalachse angepasst werden muss. Bei 49 cm beträgt der Winkel 74 Grad, was recht steil ist. Bei Rahmengröße 52 cm beträgt der Sitzrohrwinkel hingegen 72,5 Grad.

Mit ausschlaggebend für ein gutes Handling ist die Verwindungssteifigkeit des Rahmens. Mit den Oversized-Rohren haben die Entwickler da schon eine Menge für die Torsionssteifigkeit an der Längsachse getan. Das Oberrohr hat einen Außendurchmesser von 34,9 mm und ist mit Wandstärken 0,8 mm – 0,5 mm – 0,8 mm zweifach konifiziert. Das Unterrohr ist 44,5 mm breit und mit der Wandstärke 0,9 mm einfach konifiziert. Ihren Beitrag für ein direktes und flatterfreies Lenken trägt auch die von CONTOURA entwickelte, verwindungssteife und leichte Exxtralight-Gabel.

Die passende Ausstattung

Die weitere Ausstattung orientiert sich wiederum am Einsatzzweck, am Preis und bei Contoura an der Qualität und Dauerhaltbarkeit. „Die Teile würden wir uns auch selbst ans Fahrrad schrauben“, heißt es von den Entwicklern. Der faltbare Race King von Continental beispielsweise sei ein super Reifen, wenn auch nicht ganz billig. Er entwickelt wenig Rollwiderstand, hat viel Grip und ist auch noch superleicht. Er passt eben zum robusten, ur-soliden Fe-8, das nicht nur was für den Stadtverkehr ist, sondern richtig reisetauglich geworden ist. Mit seiner Vielseitigkeit kann man mit dem Fahrrad fast alles machen.

Denn mit den ganzen Detailentscheidungen ist das Fe-8 new neben seiner urbanen Ausrichtung auch noch richtig reisetauglich geworden: Es hat einen super-robusten Stahlrahmen, mit extra Gewindeösen unterm Oberrohr etwa für ein Faltschloss, es kann alle Antriebe, hat eine super stabile Gabel, an die man einen Tara Big Apple Lowrider schrauben kann.

Fahreigenschaften

Es läuft gut geradeaus, lässt sich agil steuern und ist durch die Ausstattung sehr flexibel, oder wie die MyBike es in ihrem Testbericht beschreibt: „Auch mit unserem schweren Testgepäck am Heck steuert das Contoura sehr kontrolliert – als Resultat der hohen Rahmen- und Gabelsteifigkeit, des soliden Gepäckträgers und der leicht vorgebeugten Sitzposition, die ausreichend Last auf das Vorderrad bringt.“

Wegen des breiten Einsatzbereichs haben sich die Entwickler beim Diamant-Rahmen gleich für fünf Rahmengrößen von 49 cm bis 61 cm entschieden. Mehr Rahmengrößen sind der bessere Service für die Fahrerinnen und Fahrer, das Rad passt einfach genauer und das Fahren fühlt sich selbstverständlicher an.

Unser Anspruch bei CONTOURA: Allen Fahrerinnen und Fahrern ein hochprofessionelles Fahrrad mit tollen Fahreigenschaften und sicherem Handling zu bieten, mit dem sie dank der stimmigen Rahmenproportionen einfach gut fahren und reisen können.